Veranstaltung

30. Nov 2017 – 13. Dez 2017

Auszeichnung guter Bauten 2017 in Bonn-Rhein-Sieg – Ergebnisse & Ausstellung

Am 30.11.2017 hat der BDA Bonn-Rhein-Sieg im Kunstmuseum Bonn den Architekturpreis „Auszeichnung guter Bauten 2017 in Bonn-Rhein-Sieg“ verliehen.

An dem diesjährigen Wettbewerb haben 19 Architekturbüros mit ihren Bauherren teilgenommen. Die eingereichten 21 Projekte, die in den letzten drei Jahren in der Region Bonn-Rhein-Sieg realisiert worden sind, boten hinsichtlich ihrer Größe und Nutzung eine sehr heterogene Auswahl an. Die Jury unter dem Vorsitz des Bonner Kulturdezernenten Martin Schumacher hatte die schwierige Aufgabe, an einem Tag die architektonischen und städtebaulichen Qualitäten der Beiträge zu destillieren und in der Bewertung die Preisträger herauszufiltern.

Alle 21 eingereichten Projekte werden im Untergeschoss des Kunstmuseums Bonn vom 30.11.-13.12.2017 ausgestellt (Eintritt frei). Zur Ausstellung erscheint ein farbiger Katalog, den Sie hier herunterladen können: 2017 AgB Katalog

Wenn Sie ein gedrucktes Exemplar beziehen möchten, wenden Sie sich bitte an Yola Thormann, Geschäftsführerin des BDA Bonn-Rhein-Sieg, unter info@bda-bonn.de.

 

Auszeichnung

Junges Theater Bonn

Hermannstraße 50, 53225 Bonn

Architekten: Barbara & Walter Thiess Architekten BDA, Köln

Bauherr: Junges Theater Bonn e.V., Bonn

>> Foto: Walter Thiess <<

Es gibt Bauprojekte, die den Gestaltungwillen des Architekten nicht nötig haben. Vielmehr erfordern sie die gekonnte Auseinandersetzung mit den vorhandenen Gegebenheiten. Die Baugestalt entsteht im pragmatischen Umgang mit der Realität, dem Ort, den Materialien und den vorhandenen Ressourcen.

Das florierende „Junge Theater“ in Bonn musste wieder fit gemacht werden für sein zukünftiges Dasein. Ein Bedürfnis, das schnell und ökonomisch umgesetzt werden sollte. Ein beherztes Zupacken der Architekten war gefragt, die sich wie folgt äußern: „Es ging um junge Menschen, die hier vielleicht zum ersten Mal ein Theater betreten würden. Für diese haben wir das alte Kino in ein Theater verwandelt und die Mietshausfassade am Marktplatz gleich mit dazu.“

Die Architekten Barbara & Walter Thiess entdeckten das Spezifische des Ortes. Sie entwickelten Arbeitsweisen, um das Gefundene zu interpretieren und weiterzubauen. Als gelungenes Detail entstanden die neuen „historischen“ Applikationen an der Fassade. Aus ihnen ergibt sich ein „archäologisches“ Verwirrspiel. Was ist eigentlich neu und was ist noch alt? „Mahagonifarbige Pfeilervorlagen, englische Theaterseide und eine mittels einer Schablone für 300 Euro verwandelte Decke prägen das neue Schatzkästchen … Das Team eines Bonner Raumausstatters wusch, bügelte und nähte die in letzter Minute gelieferten englischen Stoffe“, so die Architekten. Das „Junge Theater Bonn“ fügt sich heute ganz selbstverständlich in den Straßenraum. Ein gelungenes Beispiel für das Weiterbauen lebendiger Kulturbauten in Zeiten leerer Kassen.

 

Auszeichnung

ROM.HOF – Studentischer Wohnhof

Siemensstraße 144, 53121 Bonn

Architekt: Uwe Schröder Architekt BDA, Bonn

Bauherr:  MIWO Gesellschaft mbH & Co. KG, Bonn

>> Foto: Stefan Müller <<

Das Anknüpfen an das Akademische als Grundlage des Entwurfes ist für unsere Architektenzunft selten geworden. Die Beschreibungen des Architekten Uwe Schröder zum ROM. HOF geben wertvolle Hinweise darauf, wie der rote Faden der Baugeschichte wieder aufgenommen werden kann. „Als ‚Hof‘ tradiert der Bau einen Typus, der mit Atrium und Forum für Haus und Stadt auf eine lange Baugeschichte weist. Dass er zugleich in haus- wie stadtbaulichen Zusammenhängen unterschiedlicher Bindung vorkommt, verdankt sich einem ‚höheren Zweck‘ (G. Semper)“, so Rainer Schützeichel in den Erläuterungen zum Projekt.

Der ROM.HOF besticht durch seine Wirkung vor Ort. Normalität und Banalität ergänzen die nach strengem klassischem Raumplan aufgestellten Regeln für das studentische Zusammenleben. Der Klinkerbau versprüht eine leichte italienische Frische. Unverkrampft fügen sich die aufgeklappten Metallfenster, der Blick auf aufgehängte Wäsche, die Reihung der Waschmaschinen in prominenter Lage zu einem lebendigen Ganzen zusammen.

Das ganzheitliche Materialkonzept für die Fassade, die Innenhöfe, die Loggien – auch

„Studiolos“ genannt – und nicht zuletzt die Wahl der Fußböden erzeugen eine angenehme Zeitlosigkeit. Die Materialien sind „verschwenderisch“ eingesetzt, ganz ohne Angst vor drohender jugendlicher Zerstörungswut. Die künstlerischen Deckenmalereien sind ein gutes Beispiel dafür, wie Architektur durch die Künste beseelt werden kann. Insbesondere der Umgang mit Farben zeugt von der großen gestalterischen Sicherheit des Architekten. Der ROM.HOF ist ein Mut machendes Projekt. Gute Architektur kann ihrem Wesen nach großen Einfluss auf Stadt und Menschen haben.

 

Auszeichnung

Galerie- und Atelierhaus

Lotharstraße 100-106, 53115

Architekt: Uwe Schröder Architekt BDA, Bonn

Bauherr: MIWO Gesellschaft mbH & Co. KG, Bonn

>> Foto: Stefan Müller <<

Das Ensemble aus vier neuen Häusern und einer von Anbauten und Überformungen befreiten historischen Villa Faupel bestimmt mit beinahe magischer Präsenz einen ganzen Straßenabschnitt am Fuß des Venusberges. Dabei gehören die beiden flankierenden Wohnhäuser an der Lotharstraße zwar nicht dem Zweck nach zu der Bauaufgabe „Galerie- und Atelierhaus“, sind aber unverzichtbar für diesen Ort, der sich mit seinen Plätzen, Höfen und Gärten, mit den Übergängen aus Mauern und Stufen, Pergolen und Toren über einen Zeitraum von einigen Jahren in ein romantisches Kleinod verwandelt hat: Natur, Stadt, Architektur im Überfluss, und nichts davon ist hier überflüssig.

Die idealtypischen Zeichnungen sind bestechend, der erläuternde Text lässt einen zunächst mit sich allein, erschließt sich erst über den Ort. Dann erst glaubt man zu wissen, dass die Architektur hält, was der Text verspricht. Sie sagt es einfacher, als der Text mit vielen Worten. Dennoch: Es ist zu vermuten, dass sich erst im Zusammenspiel von Zeichnung, Text und Gebautem der Ort gänzlich begreifen lässt.

Jenseits aller akademischen Annäherung, die nicht jedem zusagen dürfte, zählen letztendlich das Gebaute in seiner ästhetischen Ausgewogenheit und in der mit großer Sorgfalt erreichten Material- und Detailqualität, das Miteinander von Kunst und Architektur wie auch die offene Geste an die Stadt, diesen Ort frei von jeder Kommerzialisierung zivilisiert zu benutzen. Ob und in welchem Umfang die Stadt als Gemeinwesen dazu in der Lage ist, respektive sich der Ort tatsächlich heute dazu eignet, bleibt auf den ersten Blick unbeantwortet. Der Mut, der sich in dem programmatischen Leitgedanken „Einen Platz der Stadt! Eine Wohnung der Kunst!“ manifestiert, verdient jedenfalls das Gelingen dieser Begegnung auf Dauer an dieser Stelle.

 

Anerkennung

Einfamilienhaus JU Bonn

Ippendorfer Allee 93, 53127 Bonn

Architekt: Wolfgang Zeh, Architekt, Köln

Bauherr: Privat

>> Foto: Wolfgang Zeh <<

Das an die eigene Parzelle gebundene, links und rechts angebaute Wohnhaus gilt gemeinhin als der Langweiler unter den Haustypen. Und wenn es doch ambitioniert daherkommt, dann nicht als Reihenhaus, sondern unter dem Label Townhouse – nicht selten exaltiert aus der Reihe tanzend.

Wie leistungsfähig der Typus des Reihenhauses als Baustein der dicht bewohnten Stadt allerdings bis heute ist, beweist der Umbau in der Ippendorfer Allee 93. Mit wenigen, aber

maßgebenden Eingriffen in die Struktur des Hauses aus den 1930er Jahren gelingt es den Architekten, aus der vorgefundenen banalen Raumorganisation einen Raumplan im Loos’schen Sinne zu entwickeln. Mit der Öffnung der Kellerdecke und dem so geschaffenen, fünf Meter hohen Gartenzimmer befreien sie den Erdgeschossgrundriss aus seiner Enge. Das Haus selbst wird zum erlebbaren, räumlich großzügigen Parcours zwischen Straße und gut drei Meter unter Straßenniveau gelegenem Garten.

Dass die Spuren des alten Grundrisses in den aufgearbeiteten Steinzeugfliesen und Dielenböden erhalten bleiben, ist nicht nur der Sparsamkeit geschuldet, sondern zoniert wie selbstverständlich den offenen, fließenden Raum. Zur Straße verhält sich das Haus bescheiden, aber nicht nachlässig. Die wenigen Details sind sorgfältig ausgeführt, Materialien und Farben vornehm zueinander gefügt.

In Verbindung mit der im Inneren hinzu gewonnenen Großzügigkeit zeigt es sich als ausgesprochen alltagstaugliches und im besten Sinne wohnliches Stadthaus.

 

Anerkennung

Heilandkirche Bonn-Mehlem

Domhofstraße 43, 53179 Bonn

Architekt: Lorber Paul Architekten, Köln

Bauherr: Ev. Kirchengemeinde Bonn-Mehlem

>> Foto: Stefan Schilling<<

Der Innenraum der im Jahre 1955 von Otto Bartning erbauten Heilandkirche in Bonn-Mehlem war durch zahlreiche Um- und Einbauten über die Jahre entstellt worden, der ursprüngliche Charakter des Kirchenraumes war dadurch nicht mehr erfahrbar. Den sensiblen Eingriffen der Architekten, im Sinne des Ursprungsarchitekten, ist es zu verdanken, dass der Kirchenraum zu neuem, alten Leben erweckt wurde. Gleichzeitig wurde der Raum durch kleine, sinnvolle Interventionen an zeitgenössische Anforderungen angepasst.

Die Jury würdigt den sensiblen Umgang mit dem Baudenkmal und das Zurücktreten vor dem Ursprungsverfasser. Alle Eingriffe sind sensibel, zurückhaltend und angemessen in ihrer Sprache.

Es wird als besonders wohltuend empfunden, dass die Architekten (außer vielleicht bei der Gestaltung des Altares) auf modische oder zeitgemäße Attitüden verzichten und das Haus im minimalistischen Sinne von Otto Bartning weiterentwickeln.

 

Wir danken unseren Förderern, dem Kunstmuseum Bonn und der Jury, bestehend aus:

  • Dipl.-Ing. Burkard Dewey, Dewey Muller Architekten Stadtplaner, Köln/Luxemburg
  • Dipl.-Ing. Stefan Forster, Stefan Forster Architekten, Frankfurt am Main
  • Dipl.-Ing. Christian Heuchel, Ortner & Ortner Baukunst, Köln
  • Martin Schumacher, Kulturdezernent der Stadt Bonn

Ort

Kunstmuseum Bonn (UG)
Friedrich-Ebert-Allee 2
53113 Bonn
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