Michael Reisch

0145 St. Agnes

Alexandrinenstraße 118-121, 10969 Berlin

Michael Reisch

0145 St. Agnes

Preisträger BDA PREIS BERLIN 2018 Auszeichnung
Projekt
0145 St. Agnes
Architekt
Brandlhuber+ Emde, Burlon/riegler riewe architekten
Bauherr
Johann & Lena König

Die Transformation des von 1964-1967 nach dem Entwurf des Architekten Werner Düttmann erbauten Gemeindezentrums St. Agnes und des dazugehörigen Kirchenraums in ein Kunst- und Kulturzentrum im Stadtteil Kreuzberg stellt ein außergewöhnliches Beispiel für eine behutsame Sanierung und Erneuerung  eines denkmalgeschützten Sakralbaus der 1960er Jahre dar.

Das aus finanziellen Gründen zeitweise vom Abriss bedrohte Baudenkmal wurde nach langem Leerstand an die Galerie König verpachtet. Die verantwortungsvoll und mit Respekt vor dem Bestand agierenden Bauherren und ihre Architekten verhalfen dem Gemeindezentrum zu einer tragfähigen Perspektive und transformierten es in einen undogmatischen öffentlich zugänglichen Ort der Kunst und Kultur.

Der architektonisch sensible Umgang mit dem Ensemble zeichnet sich durch eine klare und fast selbstverständlich erscheinende Haltung gegenüber dem Bestand aus. Bis auf notwendige Restaurierungsarbeiten blieb die äußere Erscheinung der Gesamtanlage unverändert, innenräumlich wurde als einzige, reversible bauliche Maßnahme ein selbsttragender „Betontisch“ mit umlaufender Fuge in den ehemaligen Kirchenraum eingestellt. Dieser teilt den Hauptraum horizontal in zwei neue Funktionsebenen: einen sehr angenehm proportionierten Ausstellungsraum und in der daruntergelegenen Ebene den Arbeits- und Stauraum der Galerie.

Wesentliche innenräumliche Details, die über zwei seitliche Fensterschlitze und über Lichtbänder im Dach inszenierte Lichtqualität im Ausstellungsraum und der besondere Materialcharakter bleiben erhalten und werden in strategischen Positionen restaurierend ergänzt.

Die erkennbare Reflexionstiefe in der architektonischen und inhaltlichen Auseinandersetzung mit einem sakralen Baudenkmal, mit einem kirchlich „nicht mehr benötigten“ Kichengebäude, lässt eine Multiperspektivität entstehen – der Raum wird als öffentlicher, ästhetischer, funktioneller Raum neu identifiziert und im Sinne einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung als gemeinschaftlicher  Ort zugänglich gemacht.

Jette Cathrin Hopp, Vorsitzende des Preisgerichts