Stefan Müller-Naumann

Preisträger BDA-Architekturpreis Nike 2019
Preisträger BDA Preis Bayern 2019

Parkplatzüberbauung am Dantebad

München

Stefan Müller-Naumann

Parkplatzüberbauung am Dantebad

München
Projekt
Parkplatzüberbauung am Dantebad
Architekt
Florian Nagler Architekten GmbH, München
Bauherr
Gewofag Holding GmbH, München

Nikle 2019 – Votum der Jury

In den deutschen Ballungsgebieten ist es die womöglich dringlichste Bauaufgabe der Stunde: preiswerten und möglichst schnell herstellbaren Wohnraum zu schaffen. Schon jetzt ist aber auch abzusehen, dass diese große Aufgabe zunehmend zu Lasten baukultureller Ambition und architektonischen Anspruchs gelöst wird. Insofern ist der (über einem zuvor lediglich als Parkraum genutzten Grundstück) aufgeständerte und mehr als einhundert Meter lange Riegel in München eine vorbildlich zu nennende Baukunst.

Das Gebäude, das in einem weiträumigen Areal eine neue, straßenbegleitende Raumkante über einer Reihe öffentlicher Stellplätze ausbildet und zugleich in denkbar kurzer Zeit Wohnraum für hilfsbedürftige Menschen und Geflüchtete anbieten konnte, fügt sich aber nicht nur in sein städtisches Umfeld ein. Er bereichert und stärkt es, indem der Platz für Autos zum Großteil erhalten und zugleich auf ansehnliche, ja einladend markante und selbstbewusste Weise umgewidmet wird: zum vitalen Platz für das Wohnen und das Leben. Das so entstandene Haus, ein so klug wie ökonomisch organisierter Hybrid aus Park- und Wohnraum, ist von großer Selbstverständlichkeit und zeigt zugleich auf innovative Weise, wie sich der urbane Raum in Zukunft neu und besser organisieren lässt. Der als „Stelzenhaus“ bekannt gewordene Bau ist ein Beitrag, der in die Zukunft des Bauens, Wohnens und der Stadt weist.

Preisträger

BDA-Architekturpreis Nike 2019 – Nike für Neuerung

Auszeichnung für ein Gebäude oder ein städtebauliches Projekt, das mit Ideenreichtum und dem Mut zum Unerprobten Antworten auf eine neue gesellschaftliche, technische oder infrastrukturelle Herausforderung formuliert.

Preisträger

BDA Preis Bayern 2019 – Wohnungsbau

Bei der Wohnbebauung am Dantebad in München wäre ohne Wohlwollen und Unterstützung seitens der Stadt sicher kein Neubau mit 100 Wohneinheiten in nur einem Jahr Planungs- und Bauzeit denkbar gewesen. Der städtebaulich logische Lückenschluss zwischen Freibad und Sportplatz musste über einer bestehenden Parkplatzanlage erfolgen. Das Gebäude besetzt parallel zum Straßenverlauf den mittleren Stellplatzbereich bis an die Schleppkurven der nördlichen und südlichen Zufahrt. Dies resultiert in einem langgestreckten Baukörper mit abgerundeten Enden. Die vier Wohngeschosse sind um eine Ebene über Straßenniveau angehoben und ermöglichen so die weitere Nutzung der Stellplätze. Der über 100 Meter lange Wohnriegel ruht auf den zwei Endauflagern, in denen mehrere Nebenräume untergebracht sind, und auf zwei gleichmäßig von beiden Endpunkten eingerückten Treppenhauskernen. Durch den schmalen Querschnitt des Gebäudes und die Verjüngung der in Querrichtung verlaufenden Unterzüge wirkt der Erdgeschossbereich hell und durchlässig. Die Wohnungen sind als 1- bis 2,5-Zimmerapartments konzipiert. Es wurden zudem Gemeinschaftsräume und eine Quartiersberatungsstelle in das Gebäude integriert. Eine mit Pflanzen und Spielgeräten gestaltete Dachterrasse bietet den Bewohnern einen herrlichen Blick über München.

Das Erdgeschoss wurde in Ortbeton erstellt, während für die vier Obergeschosse eine vorgefertigte Holzkonstruktion zum Einsatz kam, die mit einer vertikalen, sägerauen Lärchenschalung nach außen abschließt. Die Laubengangerschließung an der Ostseite wurde aus Brandschutzgründen mit Betonfertigteilen ausgeführt. Das Projekt zeichnet sich durch einen hohen Vorfertigungsgrad aus.

So kamen beispielsweise Teile der Fassade und die Nasszellen als fertige Module auf die Baustelle. Trotz der kostenbewussten Ausführung wurde auf Details nicht verzichtet: Die straßenseitige Fassade zeigt eine starke Gliederung durch horizontale und vertikale Elemente wie auch verschiedene Farben. Dunkelrot abgesetzte Umrahmungen der Öffnungen auf graublauem Grund bewirken eine Abstraktion der Holzoberflächen. Der lange Baukörper wirkt rhythmisiert, während die Ostfassade mit dem vorgelagerten Betonstützraster des Laubengangs eine große Einheitlichkeit erzeugt. Die Hälfte der Wohnungen wurde über das Sozialreferat der Stadt München vermietet, die andere Hälfte wurde an anerkannte Flüchtlinge vergeben.