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BDA-Ehrenmitgliedschaft an Werner Durth verliehen

21. Mai 2019

BDA-Präsident Heiner Farwick hat Werner Durth die Ehrenmitgliedschaft des BDA verliehen. Anlässlich der Verleihung hielt Durth im Deutschen Architektur Zentrum DAZ einen Vortrag mit dem Titel „Glücksversprechen. Zwischen Utopie, Impuls und Regression“. Der Stuttgarter Hochschullehrer Stefan Trüby antwortete mit einem Kommentar „Rechte Räume oder: Learning from Werner Durth“.

Leon Lenk
Leon Lenk
Heiner Farwick, Werner Durth

Die Ehrung des Architekten, Historikers und Soziologen Werner Durth fand am 17. Mai, ausgerechnet an seinem 70. Geburtstag, statt. Die Terminwahl sei allerdings Zufall, darauf legte der Jubilar großen Wert. Wieder erwiderte der Geehrte die Laudatio mit einem Vortrag, hier unter dem Titel „Glücksversprechen. Zwischen Utopie, Impuls und Regression“. Den angekündigten Bezug zum Bauhaus-Jubiläum  knüpfte er eher lose,  zum Beispiel indem er den 17. Mai als zufällig genau zwischen dem Gründungstag des Bauhauses am 11. April (1919) und dem Verfassungstag des Grundgesetzes am 23. Mai (1949) verortete.

In fünf „Episoden“ verband er dann kongenial eigene biografische Prägungen, politische Ereignisse und architekturhistorische Epochenwechsel zu miteinander verwobenen Handlungssträngen. Die Auftaktveranstaltung des Bauhausjahres in der Akademie der Künste im März 2019 beschrieb er mit mildem Spott als bunte Pop-Performance „irgendwo zwischen Warhol und Vasarely“ – nicht ohne den Hinweis auf den Werbeslogan einer einschlägigen Baumarktkette: „Jeder weiß doch: Bauhaus, wenn‘s gut werden muss!“

An seinen eigenen Studienbeginn 1967 an der Technischen Hochschule Darmstadt erinnerte er sich so: „Dort war alles Bauhaus, was neu, schön und gut war – personifiziert durch Ernst Neufert“, den damaligen Übervater der Lehre an der THD. Dass Neufert schon in den Dreißigerjahren zur technischen Funktionselite des „Dritten Reiches“ gehört hatte, war für den Studienanfänger zunächst unvorstellbar, hatte er doch das damalige Mantra immer so gehört: „Die Moderne begann 1919 mit dem Bauhaus, wurde 1933 durch die Nazis brutal unterbrochen und ist 1945 wie Phönix aus der Asche wiederauferstanden“. Dass es so beileibe nicht war, dass es vielmehr Kontinuitäten, Abhängigkeiten und Brüche an anderen Epochengrenzen gab, diese Erkenntnis verdankt die deutschsprachige Architekturgeschichtsschreibung maßgeblich auch dem Lebenswerk des Werner Durth.

Stephan Trüby, Durths Nachfolger auf dessen früheren Lehrstuhl in Stuttgart, stand zwar niemals in einem direkten Schülerverhältnis zu diesem, kommentierte seinen Vortrag dennoch unter dem Titel „Rechte Räume oder: Learning from Werner Durth“. Trüby beschäftigte sich mit den Kategorien Links und Rechts in der Architektur. Wer diese Unterschiede leugne, betreibe eine Entpolitisierung, warnte er eingangs. Seine Fallbeispiele, ob Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau, Casa del Fascio in Como oder eben die Frankfurter Altstadtsimulation, führten ihn zu komplizierten Doppel-Matrixen mit gleichzeitigen Links-rechts-Verortungen. Sein Fazit: „Es gibt keine rechte Architektur, aber es gibt rechte Räume“.   (-tze)

Leon Lenk
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Am Y-Table

Die Laudatio des BDA auf Werner Durth im Wortlaut

Werner Durth ist im deutschsprachigen Raum einer der einflussreichsten Architekturtheoretiker und -historiker der Gegenwart und ein außergewöhnlich präsenter Akteur der Baukultur. 

Mit seiner breit angelegten, interdisziplinären Ausbildung als Architekt und promovierter Soziologe hat er schon früh zentrale Themenfelder der jüngeren Architekturgeschichte besetzt und mit seinen Mitstreitern frappante Forschungsergebnisse ins Bewusstsein nicht nur der Fachöffentlichkeit gehoben. Dazu zählt vor allem die Beleuchtung personeller Kontinuitäten vom NS-Regime bis zum Wiederaufbau der Nachkriegszeit, die er mit der bahnbrechenden Veröffentlichung „Deutsche Architekten“ (1986) belegt hat. Damit konnte auch der Mythos einer „Stunde Null“ nach 1945 in Frage gestellt werden. Umfangreiche und systematische Forschungen, gerade auch zum Wiederaufbauzeit in der Bundesrepublik und später auch in der DDR, folgten. Stellvertretend für die soziologische Seite seiner Themen steht „Die Inszenierung der Alltagswelt“ (1977), eine „Kritik der Stadtgestaltung“.

Werner Durth hat seine Erkenntnisse schon früh in der Lehre mit nachwachsenden Generationen geteilt, zunächst in Mainz, dann als Nachfolger Jürgen Joedickes in Stuttgart und schließlich an seiner eigenen Alma Mater, der Technischen Universität Darmstadt, wo er als Leiter des Fachgebiets Geschichte und Theorie der Architektur Ende 2017 emeritiert wurde.

Sein Wirken ist mit unzähligen renommierten Preisen ausgezeichnet worden, darunter dem Schelling-Architekturpreis und dem Fritz-Schumacher-Preis. Durth engagiert sich in unzähligen Institutionen und Gremien wie im Gründerkreis und im Beirat der Bundesstiftung Baukultur. Ganz besonders hervorzuheben ist sein enormer Einsatz für die Akademie der Künste in Berlin.

Werner Durth hat unzählige Forscher kollegial angeleitet. Er gewinnt durch sein einnehmendes Wesen und seine Bescheidenheit im Auftritt viele Menschen für die Ziele der Baukultur und der unabhängigen Forschung, die bei ihm immer auch außerhalb des Elfenbeinturms zur Wirkung kommt. Der Bund Deutscher Architekten BDA würdigt den Architekten, Wissenschaftler und Kommunikator Werner Durth mit der Ehrenmitgliedschaft.

Leon Lenk
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