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BDA-Ehrenmitgliedschaft an Friedrich Achleitner verliehen

25. Oktober 2018

Im August 2018 hat der BDA die Ehrenmitgliedschaft an den österreichischen Architekten, Schriftsteller und Künstler Friedrich Achleitner verliehen. Die Urkunde übergab BDA-Präsidiumsmitglied Erwien Wachter dem Geehrten in dessen Wohnung in der Wiener Schönlaterngasse. Hier sein Bericht.

Joanna Pianka
Joanna Pianka
Friedrich Achleitner und Erwien Wachter

Der BDA zeichnet seit jeher nicht nur seine Mitglieder für außerordentliche architektonische oder ehrenamtliche Leistungen aus, sondern ernennt auch Persönlichkeiten zu Ehrenmitgliedern, die sich im Sinne der Ziele des BDA besondere Verdienste erworben haben.

2018 hat der Bundesvorstand auf Vorschlag des Präsidiums Friedrich Achleitner zum Ehrenmitglied gemacht: Achleitner, 1930 im österreichischen Schalchen geboren, wirkte auf architekturkulturellem Gebiet in seinem Land prägend wie sonst kaum jemand. Als Grenzgänger zwischen praktischer Architektur und konkreter Poesie, mit fundierter Architekturkritik und sicherer Urteilskraft wurde er zur zentralen Autorität und zum Mentor nachkommender Architektengenerationen. Mit seinem Werk „Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert“ schuf er die maßgebliche Dokumentation heimischer Baukunst. Sein opus magnum, zwischen 1980 bis 2010 in fünf Bänden erschienen, ist unerreichtes Vorbild im deutschsprachigen Raum. Die Synthese aus akribischer und systematischer Recherche sowie präziser sprachlicher Beschreibung macht diese Buchreihe und das dahinterstehende Archiv zu einem Vermächtnis der modernen Architektur mit einer Bedeutung weit über Österreich hinaus.

Angesichts des hohen Alters des zu Ehrenden überbringt ein Gesandter die Urkunde persönlich nach Wien. Natürlich ist der Gesandte vorbereitet: Er weiß um Achleitners Lehrer Clemens Holzmeister an der Akademie der bildenden Künste in Wien, von der Arbeitsgemeinschaft mit Johann Georg Gsteu und vom Wechsel im Jahre 1958 von der Tätigkeit als Architekt zum freien Schriftsteller. Er weiß auch von der legendären „Wiener Gruppe“ mit Konrad Bayer, Gerhard Rühm, Oswald Wiener, von den Dialektgedichten und von konkreter Poesie, mit der Achleitner in die Literaturgeschichte einging. Der Gesandte kennt Achleitner als Architekturkritiker bei der „Abendzeitung“ und bei der „Presse“. Achleitner war 20 Jahre lang Lehrer zur Geschichte der Baukonstruktion an der Akademie der bildenden Künste Wien, bis er 1983 Vorstand der Lehrkanzel für Geschichte und Theorie der Architektur an der „Angewandten“ in Wien wurde. Von seinem Hin und Her zwischen Literatur und Architektur kann er nur selbst erzählen, sei es in Interviews oder Gesprächen. Da ist zu erfahren, dass für ihn Architektur immer ein Brotberuf und Literatur seine Erholung war. Wir können hören, dass ihm Kritik immer mehr Spaß gemacht hat als selbst zu bauen. Zum Bauen sei er „zu weich“ gewesen. Und außerdem sei er kein Frühaufsteher.

Natürlich ist es eine Gasse in der Inneren Stadt, in der die Wiener Geistesgröße wohnt. Hinter dem Stephansplatz liegt Achleitners Heim. Ein besonderes Gefühl, anzukommen, an jenem Haus, einem der ältesten Wiens, in dessen Tiefe in einem Brunnenschacht ein Ungeheuer gehaust haben soll, dessen Abbild die Fassade heute noch markiert. Der Aufstieg im geschichtsträchtigen Stiegenhaus, dessen Knarzen Dialoge der Zeit kundzutun scheinen, endet vor einer betagten Tür im Dachgeschoss. Am Ziel: Einlass. Freundlicher Empfang durch Barbara Achleitner, der Ehefrau des Hausherrn; und dann: die zierliche Gestalt einer hellwachen Person, deren Gesicht die unvermeidliche Corbusier-Brille prägt: Friedrich Achleitner. Eine herzliche Begrüßung geleitet in einen großen, eher niedrigen Wohnraum, der durch seine Schlichtheit überzeugt und nur von zwei verblüffend kleinen Gaubenfenstern belichtet wird. In der Mitte laden eine Stuhlrunde und eine schmale Couch um einen runden Tisch zum Gespräch. Eine Kommode vor der Dachschräge, drei Wände mit Bücherregalen und eine Sammlung von Entwurfsskizzen bedeutender Baukünstler belegen die Affinität des Hausherrn zur Literatur und zur Baukunst. Die Freude des Empfängers bei der Verleihung der Urkunde und ein launiges Geplauder über Literatur und Architektur hallen noch in der Erinnerung des Gastes. Der Gesandte jedenfalls tritt voller Eindrücke an eine seltene Begegnung seinen Heimweg an. Servus Wien. Meine Verehrung, Friedrich Achleitner.

Erwien Wachter

(zuerst erschienen in der architekt 5/2018)

Joanna Pianka
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