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Rückblick: Symposium „Brandschutz im Schulbau”

21. November 2017

BDA/-tze
BDA/-tze

Mit weit über 200 Teilnehmern bis auf den letzten Platz gefüllt – das war das Symposium „Brandschutz im Schulbau” am 20. November 2017 im Deutschen Architektur Zentrum. Architekten hatten den Weg ins DAZ genauso gefunden wie Bauamtsleiter, Schulvetrteter und gar ein leibhaftiger Feuerwehrmann in Uniform. Warum ausgerechnet ein auf den ersten Blick so spezielles Thema so viel Interesse hervorruft, erläuterte BDA-Präsident Heiner Farwick zu Beginn:

„In heutigen pädagogischen Konzepten verliert der herkömmliche Frontalunterricht seine Dominanz, und das Lernen alleine, zu zweit, in Kleingruppen und mit dem ganzen Jahrgang gewinnt an Bedeutung. Diese offenen und flexibel nutzbaren Raumkonzeptionen – prototypisch als Lerncluster oder Lernlandschaft bezeichnet – kollidieren jedoch vielfach mit den Anforderungen des Brandschutzes und dem damit verbundenen Schutzbedürfnis. Eine genehmigungsfähige Planung wird häufig erst durch individuelle Risikobetrachtung sowie aufwändige Kompensationen oder funktionale Einschränkungen erreicht.”

Das zu ändern ist die Intention der Broschüre „Brandschutz im Schulbau. Neue Konzepte und Empfehlungen”, die auf dem Symposium vorgestellt wurde.

Zunächst ordnete Sabine Djahanaschah von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) den Anspruch an einen zukunftsfähigen Schulbau in den Kontext der umweltpolitischen Agenda der Stiftung ein und erläuterte geförderte Modellprojekte im Schulbau, darunter eines von Florian Nagler und Hermann Kaufmann.

Dann zeigten die BDA-Architekten Michael Schröder (Bremen) und Frank Hausmann (Aachen) eigene Schulbauten im Neubau und auch im Bestand, die ebenfalls Modellcharakter haben. Beide Architekten arbeiten mit den schon genannten größeren Einheiten, die neben je etwa vier Klassenräumen auch flexibel nutzbare, offene Lernlandschaften aufweisen. Diese Bereiche sind nach der Bauordnung Sondernutzungen mit speziellen Brandschutzanforderungen. Beide Architekten erläuterten kurzweilig, welche individuellen Lösungen beim Brandschutz gefunden werden konnten, und stellten die Forderung nach einer bundesweit einheitlichen Regelung für solche Bereiche auf.

Der Kaiserslauterner Professor für baulichen Brandschutz, Dirk Lorenz, erläuterte listenreich, wie er „mit der Systematik der Schulbauordnung bricht”, um größere Lerneinheiten von bis zu 600 Quadratmetern als Brandabschnitte genehmigungsfähig zu machen. Seine Grafiken und Herleitungen zu Fluchtwegen, notwendigen Fluren, Ausgängen und „Feuerwehrangriffen” bilden einen Kernbereich der genannten Broschüre und können dort nachgelesen werden.

In der dann von Doris Gruber und Barbara Pampe geleiteten Diskussion wurde „in der Waage zwischen Pädogogik und Brandschutz”, zwischen „Vorschrift und Ermessensspielraum” ein bunter Themenmix angeschnitten, der vom mutwilligen Missbrauch einer Sprinkleranlage bis zu Bauämtern am Rande der Kapazitätsgrenze reichte.

Zum Schluss mahnte Heiner Farwick an, Druck auf die Ministerkonferenz auszuüben, um eine bundesweite Muster-Schulbauverordnung zu bekommen, die heutige Tendenzen der Schulpädagogik mit dem unbestritten berechtigten Schutzziel des Brandschutzes vereinbart. „Ich nehme dazu ein Votum für die nächsten Verhandlungen mit!”