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BDA-SARP-Award 2017 vergeben

24. Mai 2017

Der Bund Deutscher Architekten BDA und der polnische Architektenverband SARP haben den diesjährigen BDA-SARP-Award verliehen. Der bilaterale Nachwuchsförderpreis wird an Absolventen der Fachrichtung Architektur vergeben. Hauptpreis und 2. Preis gehen an Absolventinnen aus Aachen und Danzig.

Der BDA-SARP-Award zeichnet jährlich herausragende Abschlussarbeiten im Fach Architektur aus. Darüber hinaus arbeiten exzellente deutsche und polnische Absolventen in einem dreitägigen Workshop zusammen. Die aus allen Nominierungen der Hochschulen ausgewählte Finalisten – jeweils neun Absolventen beider Länder – nahmen dieses Jahr an einem Workshop in Warschau teil.

Die beiden Verbände möchten mit diesem Preis junge Architekten fördern und den Dialog zwischen jungen polnischen und deutschen Architekten stärken. Abschließender Höhepunkt des Zusammentreffens war die Preisverleihung am 21. Mai 2017. Der Präsident des BDA, Heiner Farwick, und der Präsident des SARP, Mariusz Ścisło, vergaben die Auszeichnungen. Der BDA-SARP-Award steht unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bauen und Reaktorsicherheit BMUB und dem polnischen Ministerium für Infrastruktur.

Die Jury vergab einen Hauptpreis (2.000 €), einen 2. Preis (1.000 €), drei Auszeichnungen und eine Auszeichnung für eine Arbeit eines Diskursthemas.

Der Jury gehörten an: Josef Hämmerl (MGF Architekten, Stuttgart), Ewa Kuryłowicz (Architektin, Warschau), Jacek Lenart (Architekt, Stettin), Matthias Schmidt (Osterwold°Schmidt Exp!ander Architekten BDA, Weimar), Grzegorz Stiasny (Architekt, Warschau)

HAUPTPREIS

Julia Cramer, RWTH Aachen
London. Hand and Head
Prof. Anne-Julchen Bernhardt, Prof. Fred Humblé

2. PREIS

Martyna Michalik, Technische Universität Gdańsk
FALOWIEC: Progressive Evolution of Socialist Mass Housing
Prof. PG Dr. Krystyna Pokrzywnicka

 AUSZEICHNUNGEN

Joana Koslowski, Akademie der Bildenden Künste München
Carrara Thermal Bath
Prof. Carlo Baumschlager

Magda Bykowska, Technische Universität Białystok
The Path in Trees
Dr.-Ing. Janusz Grycel

Andreas Zacharatos, RWTH Aachen
Welcome to Greece
Prof. Hartwig N. Schneider, Prof. Dr.-Ing. Rolf Gerhardt

 AUSZEICHNUNG FÜR EINE ARBEIT ZU EINEM BESONDEREN DISKURSTHEMA

Amelie Schlicht, Universität Stuttgart
Refuge for Transience
Prof. Markus Allmann, Prof. Dr. phil. Gerd de Bruyn

JURYVOTEN

Julia Cramer, RWTH Aachen
London. Hand and Head

Wie aus den Ruinen des verlassenen Londoner Bahnhofs Bishopsgate wieder ein vitales und florierendes Handwerker-Zentrum erwachsen kann, davon erzählt die Arbeit „London. Hand and Head“. Julia Cramer setzt dabei auf die inspirierende Kraft der Architektur und stellt der Komplexität städtischer Strukturen ein narratives Erzählmotiv entgegen. Dieses Motiv hat die Chance, im Fortschreiben der Geschichte Bishopsgate seine Identität zurückzugegeben und so das Handwerk als Teil der Stadtgesellschaft wieder zu stärken.

 In ästhetisch einnehmenden und analytisch bestechenden Handzeichnungen erzählt Julia Cramer von der Renaissance des verlassenen Bahnhofs: Im Winter arbeiten die Handwerker in ihren Werkshallen, die Bäckerei und Cafés sind geöffnet. Im Frühling wird die obere Ebene des Eisenbahnviadukts als Garten und Terrasse belebt. Im Sommer verlagert sich die Arbeit nach draußen, neue Läden entstehen und auf den Dächern der Werkstätten wird Sport getrieben. Im Herbst öffnet eine Kantine, und die Hochebene mit dem Park lädt zu verschiedenen Veranstaltungen ein …

 Ein Garten Eden? Vielleicht, die Arbeit schafft fortwährende Hoffnung.


Martyna Michalik, Technische Universität Gdańsk
FALOWIEC: Progressive Evolution of Socialist Mass Housing

Am Beispiel des Falowiec-Gebäudes in Danzig zeigt Martyna Michalik von der Technischen Universität Danzig, wie der sozialistische Massenwohnungsbau gestalterisch und mit einer sozialen Sensibilität qualifiziert werden kann.

 Die vorgeschlagenen Interventionen erfolgen auf stadtplanerischer und architektonischer Ebene. Zum einen wird der über einen Kilometer lange Wohnriegel in der Mitte durchbrochen, sodass sich für die Stadt ein visueller und sinnlicher Bezug zum Meer ergibt. Im Außenbereich der Anlage bieten Pavillons neue Gemeinschaftsflächen und intensivieren so das nachbarschaftliche Miteinander. Das Gebäude selbst nimmt auf dem Dach eine Aussichtspromenade auf. Die Wohnungen werden in ihren Grundrissen heutigen Anforderungen angepasst. Durch das vertikale wie horizontale Verbinden kleiner Wohnungen werden großzügige Wohnungen geschaffen.

 Für die aktuelle Herausforderung, den sozialen Wohnungsbau in Polen sensibel zu qualifizieren, stellt diese Arbeit einen überzeugenden Beitrag dar.


Joana Koslowski, Akademie der Bildenden Künste München

Carrara Thermal Bath

Mit dem „Thermalbad Carrara“ entwirft Joana Koslowski von der Akademie der Bildenden Künste München einen Tempel der Erholung. Das in einen Marmorfelsen eingelassene Bad besticht durch eine auf mehreren Geschossen erreichte Raumabfolge, die sich auf elementare Aspekte der Architektur beschränkt: Raum, Struktur und Material. In der konsequenten Reduktion des Entwurfs auf die Wirkung der Räume und des Materials überzeugt die Arbeit.


Magda Bykowska, Technische Universität Białystok
The Path in Trees

Mit seinen jahrhundertealten Baumriesen gilt der Białowieza-Wald an der Grenze zwischen Polen und Weißrussland als einer der letzten Urwälder Europas. Hier plant Magda Bykowska von der Technischen Universität Białystok eine Anlegestelle für Kajaks, einen Aussichtsturm und einen Baumgipfelpfad. Auf dieser Konstruktion schweben die Besucher über den einzigartigen Urwald in dem bislang wenig touristisch erschlossenen Gebiet. Der Entwurf zeigt, wie eine künftige touristische Erschließung ökologisch verträglich erfolgen kann.


Andreas Zacharatos, RWTH Aachen
Welcome to Greece

Die Abschlussarbeit „Willkommen in Griechenland” stellt den Entwurf für einen Flughafen-Terminal auf Paros vor, der perfekt die touristischen Bedürfnisse einer Ferieninsel bedient. Um den Eingriff in die Landschaft zu minimieren, fügen sich Landebahn und Flughafengebäude in die natürliche Neigung des Geländes ein.

 Der Entwurf schafft mit seiner detaillierten Materialisierung und erreichten Planungstiefe eine überzeugende Verbindung aus gelungener Gestaltung und technischen Abläufen. In der Vielzahl von Flughafen-Architekturen ist dieses Projekt ein überzeugender klarer und rationaler Entwurf.

 

 

Amelie Schlicht, Universität Stuttgart
Refuge for Transience

Amelie Schlicht, Absolventin der Universität Stuttgart, widmet sich mit “Refuge for Transience” philosophischen und eschatologischen Fragen auf einer gestalterischen Ebene. Ihr Vorschlag, die Asche von Verstorbenen zur Herstellung von Ziegeln zu nutzen, die dann über Jahrzehnte und Jahrhunderte zu einer Mauer in der Innenstadt wachsen, führt zu einer Auseinandersetzung über eine künftige Bestattungs- und Erinnerungskultur. Die Arbeit wird ausgezeichnet als Beitrag zu einem besonderen Diskursthema, die die Freiheit der akademischen Lehre unterstreicht und uns zur Auseinandersetzung mit philosophischen Fragen anregt.