Foto: Edward Beierle

Preisträger BDA-Architekturpreis Nike 2016
Preisträger BDA Preis Bayern 2016

Konzerthaus Blaibach

Blaibach

Foto: Edward Beierle
Projekt
Konzerthaus Blaibach
Architekt
Peter Haimerl Architektur, München
Bauherr
Gemeinde Blaibach

Konzerthaus Blaibach

Beurteilung BDA-Preis Bayern 2016

Das Konzerthaus ist ein Solitär aus Beton, der sich mit seiner Neigung über die Hangkante im Ortszentrum an der Topografie orientiert und mit seiner Granitfassade an die Steinhauertradition Blaibachs anknüpft. Der monolithische, gekippte Baukörper öffnet sich für die Konzertbesucher auf dem neuen Dorfplatz und führt von dort diese über eine Treppe hinab in das unter der Erdoberfläche liegende Foyer. Der Baukörper des Konzertsaales ist in Ortbeton gefertigt, dessen diffizile Form nur mittels einer äußert aufwändig konstruierten Schalung realisiert werden konnte. Die dominanten gekippten Oberflächen des Konzertsaales sind allein akustischen Vorgaben geschuldet und beinhalten hinter ihren Schlitzen neben LED-Leuchten auch Bassabsorber, die eine optimale Akustik bieten. Der Beton im Inneren ist unbehandelt. Seine lebendigen Oberflächen dienen dazu, die mittelhohen Töne zu absorbieren. Die Schräge des Baukörpers – bedingt durch die Steigung des Hanges – trägt die Zuschauertribüne, deren transparent wirkenden Stühle über Lichtschlitzen zu schweben scheinen.

Foto: Lothar Reichel
Foto: Lothar Reichel
Foto: Lothar Reichel
Foto: Lothar Reichel
Foto: Lothar Reichel
Foto: Lothar Reichel
Foto: Edward Beierle
Foto: Edward Beierle
Foto: Edward Beierle
Foto: Edward Beierle
Foto: Edward Beierle
Foto: Edward Beierle

Preisträger

BDA-Architekturpreis Nike 2016 – Nike für soziales Engagement

Auszeichnung für ein Gebäude oder ein städtebauliches Projekt, das gesellschaftliche Entwicklungen sensibel reflektiert und signifikante, auch experimentelle Lösungsansätze erprobt.

Votum der Jury:

Die Geschichte klingt wie ein Märchen der Architekturgeschichte: Eine 2000-Seelen-Gemeinde in der bayerischen Oberpfalz beschließt den Bau eines kleinen Konzerthauses und realisiert unter Mithilfe des großzügig geförderten Städtebau-Modellprojekts „Ort schafft Mitte“ eine Architektur, wie sie zeitgenössischer nicht sein könnte.

Der Münchener Architekt Peter Haimerl hat einen Kubus in Hanglage gekippt, dessen radikale Geometrie sich gerade durch ihre Gegensätzlichkeit in den Kontext stellt. Die Bauaufgabe konzentriert sich bar jeglichen Dekors auf das musikalische Ereignis und setzt, der natürlichen Hanglage des Grundstücks folgend, Bühne und Auditorium in ein optimales Verhältnis. Notwendige Nebenräume – Garderobe, Sanitär- und Barbereich – werden innerhalb der außen wie innen erlebbaren Großform nahezu unsichtbar wie zweckmäßig integriert. Während die Granitfassade die auffallend markante Gestalt des Gebäudes in ein ortsübliches Material übersetzt, schafft der mit technischer Perfektion fein geschalte Ortbeton im Innern ebenso elegante wie akustisch vorteilhafte Wand- und Deckenflächen. Hightech-Bassabsorber und eine moderne LED-Lichttechnik begleiten ein Konzerterlebnis, das eindrucksvoller nicht sein könnte.

Viele Kategorien der Nike versammeln sich in diesem Projekt, doch gemeinsam sind sie Ausdruck des soziales Engagements, das mit Architektur einhergehen kann. Denn Idee und Ausführung eines Konzertsaals an dieser Stelle reagieren auf gesellschaftliche Entwicklungen – den Strukturwandel dörflicher Gemeinschaften in abgelegenen Regionen – und erproben mit einem experimentellen Lösungsansatz eine Neudefinition der dörflichen Identität: Hochkultur trifft auf ländliche Erholungs-Idylle. Der wunderbare Konzertsaal bewirkt formal wie inhaltlich die Revitalisierung eines verlorenen Ortskerns. Schön, dass dies kein Märchen, sondern vielsagende Wirklichkeit ist: Eine kleine Gemeinde zeigt den Metropolen unseres Landes, wie man sich mit Kultur und dem Anspruch auf Zeitgenossenschaft überregional aufstellen kann.

Preisträger

BDA-Architekturpreis Nike 2016 – Große Nike

Die Große Nike ehrt ein Bauwerk, das mit Atmosphäre und Symbolik, in Fügung und Komposition, im Anspruch auf Soziales und auf Neues in besonderer Weise die Intention des Architekturpreises Nike erfüllt.

Votum der Jury:

Gute Architektur ist überall. Manchmal muss man sie nur finden. Fündig wird man oftmals eher im Verborgenen, am überraschenden Ort. In dem über die Jahre stark vernachlässigten historischen Zentrum der Gemeinde Blaibach im Bayerischen Wald ist ein solcher Ort entstanden. Hier trumpft nicht eine große, solitäre Einzelarchitektur auf, es ist vielmehr ein kleines, minimalistisches Konzerthaus initiiert, konzipiert und realisiert worden, das sich in die dörfliche Umgebung selbstverständlich einfügt und dabei über eine ausdrucksstarke Eigenständigkeit verfügt. Als Herzstück eines Ensembles, zu dem auch ein Bürgerhaus gehört, leistet das Konzerthaus den angestrebten Impuls zur Revitalisierung der Ortsmitte.

Keine klassische Bauherrschaft stand hier als Initial am Anfang des Projekts, sondern ein ungewöhnliches kulturelles und bürgerschaftliches Engagement aus der Region, das einen Ort für die Musik schaffen wollte, der auf den ganzen Ort und weit darüber hinaus ausstrahlt. Dies ist mit herausragender Wirkung gelungen. Das Zusammenspiel der Initiatoren, der ortsansässigen Bevölkerung und des Architekten war hier ungewöhnlich eng und im Ergebnis besonders fruchtbar. Dafür erhält das Projekt die Nike für soziales Engagement, was im besten Sinne das Gemeinschaftliche meint.

Doch es erfüllt weit mehr als nur diese Kategorie. Eine besondere Atmosphäre außen wie innen wird diesem Kleinod wohl jeder zusprechen, der es gesehen und darin ein Konzert erlebt hat. Eine zeitgemäße Konstruktion und zeitlose Materialien sind kongenial zueinander gefügt und bilden eine besondere Komposition aus. Neuerungen, zum Beispiel in Form aktueller Akustiktechnik, stehen nicht im Widerspruch zur prägnanten Symbolik der Form. In diesem starken Projekt kumulieren also alle Kategorien des Architekturpreises Nike.

Hier wurde in einem kleinen Ort Großartiges geschaffen. Daher wurde das Konzerthaus von Peter Haimerl mit voller Überzeugung der Jury mit der Großen Nike ausgezeichnet.

Preisträger

BDA Preis Bayern 2016 – Kulturbauten

Beurteilung der Jury:
Seit neuestem ist in Blaibach jeden Tag Weihnachten, Geburtstag und Namenstag in einem. Denn das große Paket, das im Zentrum des Schwarzwalddorfes im Boden steckt, ist nicht nur ein großes Geschenk des Landes, das den größten Teil der Finanzierung leistete, sondern eine tägliche Bescherung. Das weltweit begeistert rezipierte Konzerthaus, das der Bariton Thomas E. Bauer und der Architekt Peter Haimerl für das Zweitausend-Seelen-Dorf entwickelt haben, ist längst eine begehrte Destination für Konzertmusiker und die hier sehnlichst herbeigewünschten Kulturtouristen, die weite Reisen auf sich nehmen, um das kleine Klangwunder zu erleben – aber eben auch eine vielgenutzte Räumlichkeit für lokale Veranstaltungen.
Wie es sich für ein richtig tolles Geschenk gehört, verrät die Verpackung nichts über den Inhalt. Die tonnenschweren Waschbetonplatten, die in dörflicher Gemeinschaftsarbeit auf einem ungenutzten Parkplatz mit geschreddertem Ortsgranit hergestellt und dann mit dem Kran an der aufragenden Konstruktion befestigt wurden, erinnern zwar an die Tradition des Dorfes als Steinhauergemeinde. Aber neugierig macht das Fremdartige dieser gekippten Schachtel, an deren Unterseite eine steile Treppe ins Reich der Noten führt.
Die folgende Dramaturgie, die Peter Haimerl für den Weg vom breiten Eingangsschlitz bis zum Saal entwickelt hat, ist die der sich steigernden Vorfreude. Über holzverkleidete gekippte Garderobenräume, ein Foyer im Knick mit Bar sowie einen langen Seitengang führt der Weg zu einer schmalen Öffnung. Wer hier eintritt, lässt allen Unglauben fahren. Denn der bizarr gefaltete, steile Konzertsaal, der sich nun dem Blick darbietet, ist eine musikalische Zauberhöhle mit schwebenden Sitzen und strahlenden Schichten, die jeden sofort die Welt außerhalb des Klangreichs vergessen läßt.
Wie bei allen verzaubernden Gebäuden ist die Struktur im Prinzip einfach, aber trotzdem nicht sofort verständlich. Sich vielfältig überlappende Betonblätter mit indirekter Beleuchtung falten sich über Wände und Decke zu einer künstlerischen Schieferstruktur. Der grob gestampfte Beton ist überzogen mit sogenannten „Nestern“, also filigranen Schadstellen, die sich wie inverser Efeu über die Wände ziehen. Die beinlos auf Querbalken befestigten Drahtsitze verleihen der Tribüne eine gravitationslose Leichtigkeit. Und der Blick von der Rückwand hinunter auf die Veranstaltungsfläche ist vergleichbar mit der schwindelerregenden Sicht über einen Sturzbach in eine Bergschlucht.
Diese Komposition ist selbst ohne Musikvorführung ein sinnliches Erlebnis der Extraklasse. Schenken Sie es sich und Ihren Liebsten, zum Geburtstag, zu Weihnachten, einfach jederzeit.

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